Luca Cambiaso (1527–1585)
»Die Hl. Familie mit dem Johannesknaben im Gemach«

um 1560/70, Feder in Braun auf elfenbeinfarbenem Papier, 31,8 x 23,2 cm, Inv.Nr. C 6205

Luca Cambiaso, einer der bedeutendsten Vertreter der Malerei des italienischen Manierismus, hat sich sowohl als Schöpfer monumentaler Freskomalereien in Genua, als auch als äußerst fruchtbarer Zeichner hervorgetan.

Seine Blätter kennzeichnet ein abstrahierender, die Figuren und Gegenstände geometrischen Grundformen annähernder Duktus, der sich durch Schnelligkeit und Präzision auszeichnet. Auch in dieser Zeichnung werden Personen und Architektur mit wenigen, pointierten Strichen erfasst. Obwohl Schraffuren nur sparsam verwendet werden, vermitteln die Figuren die Suggestion von körperlicher Plastizität und Raumhaltigkeit.

Die Szene spielt an auf das Leben der Hl. Familie vor ihrem Aufbruch nach Ägypten. Vordergründig eine Genredarstellung von emotionaler Unmittelbarkeit, enthält die Personenkonstellation einen heilsgeschichtlichen Sinn. Johannes bietet dem Jesusknaben ein Lamm an, als Hinweis auf dessen Passion. Der in Nachdenken versunkene Joseph ahnt offenbar das nachfolgende Schicksal, die Flucht nach Ägypten, bereits voraus und auch Maria, die sich zwar liebevoll den Kindern zuwendet, scheint von der Last des großen Vorhangs niedergedrückt zu werden. Ihre massige Figur und der Thron bezeugen Cambiasos Bewunderung für Michelangelos Propheten- und Sibyllenfiguren in der Sixtinischen Kapelle. [ CH ]

Heute im Museum
27.08.14

15:00 Uhr
Rubensfiguren versus schlanke Silhouetten. Schönheitsvorstellungen im Wandel
Mittwochs mit Muße

Bitte beachten Sie

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