Giovanni Battista Piranesi (1720–1778)
»Die Treppe mit Trophäen«

Aus: »Carceri d' Invenzione«. Überarbeitete und um zwei Tafeln erweiterte zweite Auflage 1761 (Blatt 8, vierter Zustand, nach 1778), Radierung, Blatt: 76 x 53,2; Platte: 55 x 40,3; Inv.Nr. A 61/2378(8)

Der in Venedig ausgebildete und schon früh nach Rom übergesiedelte Piranesi machte sich vor allem als Veduten-Stecher einen Namen. Daneben entstanden jedoch auch Architekturfantasien, deren Höhepunkt sicherlich die Folge mit den »Carceri« ist, 1750 erstmals bei Giovanni Bouchard publiziert, 1761 in radikaler Überarbeitung - und mit zwei Tafeln auf 16 ergänzt - nochmals veröffentlicht. Sie haben den »Mythos« Piranesi entscheidend geprägt.

In ihnen sind die Bauten keine reinen Tatsachen mehr, sondern werden zu dynamischen Gebilden. Der Betrachter, im Bild anwesend als winzige, zur Monumentalität des Raumes kontrastierende Staffagefigur, wird als Entdecker in das pulsierende Raumgebilde mit eingebunden, er ist der Reisende in dessen Unendlichkeit. Und doch verliert er sich nicht in den Kerkern, nimmt an keinem Albtraum teil, sondern ist aktiver Erkunder einer Idee von Architektur, bewegt sich wie ein Tourist durch die Räume, zunächst irritiert und vorsichtig tastend, dann vehement und mit wachsender Entdeckerlust bis in die entferntesten Winkel.

Die Vermittlung einer anderen Wirklichkeit von Architektur bei Piranesi geschieht durch aktive Beteiligung, sei es durch die wie in einer Art »virtuellem Raum« herumkletternden Figuren, sei es durch den Betrachter selbst. Die Beunruhigung, die beide dabei zunächst empfinden, geht nicht vom Thema »Kerker« aus, sondern von der Irrationalität und Grenzenlosigkeit des Raumes: Das Ganze erscheint eher als eine Art Spiel um die Eroberung des Raumes, durchgeführt in 16 Variationen anhand einer einzigen architektonischen Struktur. Das entscheidende Wort im Titel Carceri d' Invenzione ist nicht Kerker, sondern »invenzione« - Erfindung.

Die Graphische Sammlung beteiligte sich zusammen mit der Universität Rom und dem Nationalmuseum in Stockholm an einem Forschungsprojekt der Europäischen Union, dessen Ziel es war, u.a. die Rom-Ansichten Piranesis mit dem Stadtplan von Nolli in einem Computerprogramm zu vereinen. Eine Edition sämtlicher Radierungen Piranesis sowie der seines Sohnes Francesco und seiner Tochter Laura, zusammen mit den in ihnen verzeichneten Texten, ist nun auf CD-Rom in unserem Museums-Shop erhältlich. [ CH ]

Heute im Museum
18.09.14

10:30 Uhr
Kunstgespräch für Frauen
Kunstgespräch

12:45-13:15 Uhr
Bildbetrachtung
Kurzführung

14:30 Uhr
Ein Maler nach dem Geschmack der Könige: Joseph Anton von Gegenbaur
Kuratorenkurzführung

15:30 Uhr
Kunstgespräch für Frauen
Kunstgespräch

18:00 Uhr
Madonna, Heldin oder Femme fatale? Das Bild der Frau in der Kunst des 13. bis 20. Jahrhunderts
Themenführung

18:00 Uhr
Schöne Aussichten aus Rom. Heinrich Leibnitz. Kunststipendiat König Wilhelms
Vortrag

19:30 Uhr
Exklusive Weinprobe mit Weinen des Weinguts Herzog von Württemberg
Veranstaltung

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