
um 1470, Kupferstich auf rohweißem Bütten, Blatt: 25,9 x 17 cm, Inv. Nr. A 1965/GL 879, Leihgabe der Freunde der Staatsgalerie
Die Anbetung Jesu taucht mehrfach auf in Schongauers Œuvre, wobei „Die (große) Geburt Christi“ eine der reizvollsten Darstellungen ist: Wie durch ein Fenster eröffnet sich der Blick auf die intime Szenerie innerhalb des Gebäudes, gleichzeitig hält die zerfallene Außenwand den Betrachter auf Distanz. Die Jungfrau hat ihr Kind auf ein Stück ihres Umhangs gebettet und wird von dem durchbrochenen Gewölbe bekrönt. Die Betonung ihrer Gestalt im Bildzentrum verweist auf die Entstehung des Stiches als Teil einer Folge von vier Blättern zum Marienleben.
Schongauer beweist bei der perspektivisch weitgehend korrekten Raumkonstruktion und der Darstellung verschiedener Stofflichkeiten sein Können. Die Liebe zum Detail und die äußerst durchdachte und technisch differenzierte Ausführung zeigt den materiellen und ideellen Wert des Stichs an. Durch die emotionale Wirkung des Blattes wurde ein gläubiges Publikum angesprochen, dem der Stich als Mittel der gesteigerten Frömmigkeit diente. Die persönliche Glaubensbeziehung des Einzelnen zu Gott stand dabei im Vordergrund.
Schongauer, ausgebildeter Goldschmied und Maler, machte den Kupferstich der Malerei ebenbürtig und wertete das Schwarz-Weiß-Medium dadurch enorm auf. Bedeutsam ist sein Einfluss auf folgende Künstlergenerationen, etwa seinen Schüler Hans Burgkmair. Auch Albrecht Dürer nahm Impulse der Kunst Schongauers auf und führte die Druckgraphik zu einem weiteren Höhepunkt. [ Hanna Lehner ]
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