
um 1485-1490, Kaltnadelstich auf Büttenpapier; Blatt: 12,4 x 19,1 cm, Inv. Nr. A 8700
»Was ihr seid, das waren wir. / Was wir sind, das werdet ihr.« Diese Mahnung steht im Mittelpunkt einer im Spätmittelalter häufig dargestellten Erzählung. Der Kaltnadelstich zeigt diese Legende von drei jungen Adeligen auf der Jagd, die in einer einsamen Gegend auf einem alten Friedhof geraten. Dort treten ihnen drei Tote gegenüber, die sie ermahnen, von ihrem Leben in Genusssucht und Eitelkeit abzulassen und zu innerer Einkehr zu finden.
Der Meister des Hausbuchs zeigt diese Begegnung in einer drastischen Darstellung, die er mit viel Feingefühl für die Reaktionen der einzelnen Figuren umgesetzt hat. So reißt der junge Kaiser sein Pferd vor Schreck nach oben und der junge König im Hintergrund ergreift bereits die Flucht, doch sein totes Ebenbild greift nach ihm und hält ihn fest. Alle Details tragen zur Darstellung der Erzählung bei: Selbst die Hunde und Knochen im Vordergrund untermalen das Geschehen.
Dieser sehr fein gearbeitete Kaltnadelstich ist typisch für das späte 15. Jahrhundert, in dem sich weltliche und religiöse Themen verbinden. Bis heute ist die Identität des Künstlers ungeklärt. Fest steht jedoch, dass er einer der großen Kupferstecher der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war. Mit diesem Werk schuf er eine der lebendigsten Darstellungen in der Geschichte dieser Vergänglichkeitsdarstellungen. [ Hannah Kopietz ]
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