
1632, Feder in Grau, grau laviert, auf rohweißem Bütten (aufgezogen), Blatt: 16,5 x 24/23,8 cm, Inv. Nr. C 1924/3
Am eigenen Leib erfuhr der Schweizer Künstler Rudolf Meyer während seiner Wanderjahre die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Diese Eindrücke hielt er in seinen Zeichnungen fest. Besonders einprägsam waren für ihn die Jahre 1631 und 1632, die er in Nürnberg während der Besatzung durch die schwedischen Truppen verbrachte.
Damals entstand diese Zeichnung im frühbarocken Stil. Vor der Kulisse einer Ruine, eines in Flammen stehenden Palastes und einer Schlacht sitzen und liegen die Personifikationen der Künste und Wissenschaften mit ihren Attributen in Gestalt von Frauen, die in Untätigkeit oder Melancholie verfallen sind. Auf einer Wolke schwebend erscheint Merkur in Begleitung von Putten, die Posaunen blasen, auf welchen das Wort »PAX« (Frieden) steht: Der Götterbote bringt den langersehnten Frieden und weckt die schlafenden Künste und Wissenschaften aus der Untätigkeit, in die sie während des Krieges verfallen sind.
Die Personifikation der Malerei sitzt vor ihrer Staffelei, auf der ein Bild zu erkennen ist: Die alttestamentarische Taube bringt den Ölzweig als Zeichen des Friedens zur Arche Noah und verweist somit auf die Friedenshoffnung des Künstlers. Das Bild formuliert aber auch den Gedanken, dass die anderen Künstler sich aus der Untätigkeit befreien sollten – dieser Wunsch erfüllte sich allerdings erst mit dem Westfälischen Frieden von 1648. [ Katharina Vollmer ]
http://www.staatsgalerie.de/graphischesammlung/deutschland_rundg.php | © Staatsgalerie Stuttgart