
1590, Feder in Schwarz, grau bis schwärzlich laviert, weiß und golden gehöht; 46,8 x 34,4 cm, Inv.Nr. GVL 200, Leihgabe der Freunde der Staatsgalerie
Das »Neue Lusthaus« in Stuttgart, von Georg Beer 1583 bis 1593 erbaut, zählte zu den bedeutendsten Bauwerken der Renaissance in Deutschland (abgebrochen im 19. Jahrhundert). Mit Ahnengalerie, Antikensammlung und großem Festsaal im Obergeschoss bot es ein anspruchsvolles Programm für die herrschaftliche Repräsentation und war vor dem Dreißigjährigen Krieg Mittelpunkt prächtiger Hoffeste.
Eine Ansicht ist in der Zeichnung von Merian überliefert. Dietterlin malte die Deckenbilder des großen Saales von 1590 bis 1593. Mit dem »Jüngsten Gericht«, geschildert in der »Offenbarung des Johannes« im Alten Testament, endet die Heilsgeschichte, und das Urteil über die Menschen wird gefällt. Ungewöhnlich dramatisch ist die Perspektive aus der Untersicht. Wolkenbänder strukturieren den Himmelsraum, verengen sich spiralförmig über dem als Richter thronenden Christus zu einer lichten Kuppel. Der Schall der Trompeten weckt die Toten auf, Engel tragen die Erlösten empor und stürzen die Verdammten in den Abgrund, wo sie von Teufeln gepackt werden.
Die Zeichnung diente als Modell; sie wurde nach Gebrauch für die Aufbewahrung überarbeitet und mit Gold gehöht. [ HMK ]
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