
1947, Bleistift in zweierlei Härtegraden, zum Teil gewischt, auf elfenbeinfarbenen Karton, 50 x 64,5 cm, Inv.Nr. C 84/3337, © VG Bild-Kunst, Bonn 2003
Über das Zeichnen fand der aus dem Bergell stammende Maler und Bildhauer Alberto Giacometti den Weg, um von seinen winzigen, streichholzlangen Figürchen der Kriegsjahre weg wieder lebens- und überlebensgroße Skulpturen zu wagen, so die »Große Figur« von 1947 (2,02 Meter, Giacometti Stiftung, Zürich). »Die gesamte Kunst von Alberto Giacometti, die Einheit seines Werkes, liegen mehr oder weniger unmittelbar in der Zeichnung begründet, welcher Malerei und plastisches Schaffen unterstellt sind oder diese gar integrieren, einer Zeichnung, welche den Augenblick und die Dauer verbindet, die Gewalt und die Wiederholung, die Aggression und die unendliche Erwartung« (J. Dupin).
Unser Blatt legt mit seiner attackierten, zerschundenen Oberfläche Giacomettis leidenschaftliches Bemühen um die Fixierung der im Raum und in der Entfernung schwindenden Figur, der ständig sich verzehrenden Wirklichkeit offen. »Eine große Figur war für mich unwahr und eine kleine trotzdem unerträglich; außerdem wurden sie oft so klein, daß sie oft unter einer einzigen Berührung meines Messers im Staub verschwanden. Köpfe und Figuren schienen mir nur wahr zu sein, wenn sie winzig waren , aber all dies änderte sich 1945 ein wenig durchs Zeichnen. Das Zeichnen führte mich dazu, größere Figuren schaffen zu wollen, und dabei ergab sich zu meiner Überraschung, daß sie nur ähnlich wurden, wenn sie lang und dünn waren.« (A. Giacometti) [ UG ]
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