Walter Stöhrer

Radierung und Bild

19.02. – 22.05.2005

»Das Meer ist da, das Boot aber nicht«

Das gesamte Œuvre Walter Stöhrers basiert auf seinen, zu Beginn der sechziger Jahre geschaffenen Kaltnadelradierungen. Auf diese höchst existentialistisch wirkenden Arbeiten lassen sich nämlich nicht nur seine späteren druckgraphischen Mappenwerke, sondern auch die großformatigen Gouachen und die aus flott gesetzten Pinselschwüngen bestehenden Gemälde zurückführen. Aus diesem Grund stehen die graphischen Arbeiten des Künstlers im Vordergrund der Ausstellung. Seine gestische, überaus kraftvolle Malerei – das wird ersichtlich in der Gegenüberstellung ausgewählter Gemälde – wäre ohne jene frühen Kaltnadelradierungen nicht denkbar.

Die Ausstellung zeigt die Bedeutung der Druckgraphik für das Gesamtwerk des 1937 in Stuttgart geborenen Künstlers. Nach seinem Studium bei HAP Grieshaber an der Kunstakademie in Karlsruhe ging er im Jahr 1960 nach Berlin, wo er sich intensiv mit der Technik der Kaltnadelradierung auseinandersetzte. Im Jahr 2000 starb Walter Stöhrer in Scholderup an der Ostsee. Fern vom Großstadttrubel hatte er dort über viele Jahre hinweg in seiner Atelierwerkstatt konzentriert und unabhängig gearbeitet.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind eben jene frühen äußerst seltenen, kantig und karg wirkenden Radierungen, die vornehmlich zwischen den Jahren 1960 und 1963 – also kurz nach Stöhrers Umzug von Karlsruhe nach Berlin – entstanden sind. Des weiteren werden in chronologischer Abfolge die nicht nur technisch deutlich aufwendigeren, sondern teilweise auch individuell durch spontane »Übermalungen« gestalteten Radierzyklen – wie »Nervenwaage«, »Horror trip« (beide 1969) und »Die-Bewegung-Der-Zähne« (1977) – vollständig präsentiert. Im Rahmen der Ausstellung kann schließlich anhand der späten Radierfolgen »Aber vor allem Flügel Zähne Klauen« (1991), »Noch Nicht« (1996), »Wörter wie Schlamm gefüllt und In Deinem Namen, Tod, Freund Mein« (beide 1999), deren Titel bereits die literarische Bildung des Künstlers erahnen lassen, den vielfältigen Bezügen zwischen dem Früh- und dem Spätwerk nachgegangen werden.

Um die große Bedeutung der graphischen Arbeit innerhalb seines gesamten Werkes anschaulich zu machen, sind den einzelnen Radierungen jeweils zeitnah entstandene Gemälde des Künstlers gegenübergestellt. Hiermit wird nicht nur eine äußerst kontrastreiche, sondern auch eine überaus spannungsvolle Art der Präsentation im neuen Gebäude der Graphischen Sammlung erreicht.

Heute im Museum
01.08.14

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