Peter Sehringer

11.08. – 28.10.2001

Peter Sehringers Kunst bewegt sich seit Beginn der 1990er-Jahre im Grenzbereich zwischen darstellender und nicht- darstellender Kunst. In seinen großformatigen Arbeiten knüpft er an traditionelle Sujets wie das Stillleben, die Landschafts- und Tiermalerei an und beabsichtigt dabei stets, das Ambivalente, Rätselhafte und Wahrhaftige der Wirklichkeit in konzentrierter Form zu erfassen. Seine Motive der Natur sind romantisch geprägt, insofern er deren lyrische Qualitäten zum Ausdruck zu bringen sucht.

Betrieb er in den 1980er-Jahren noch eine abstrakte Farbraummalerei, die in der Tradition des Informel steht, so unterstellt er sich in den 1990er-Jahren bewußt den Form- und Kompositionsregeln gegenständlicher und ornamentaler Vorlagen und schränkt damit das Moment des Zufalls und der Spontaneität in seiner Malerei ein.

Zu seinen Vorlagen zählen Fotos von Tieren und Pflanzen sowie Blumen- und Stoffdekor. Im Prozeß der Aneignung und Verfremdung dieser Motive spürt Sehringer nicht der äußeren, sondern der inneren Natur der Dinge nach und übersetzt diese in eine autonome Bildrealität. Er inszeniert die Motive als Ausdruck eines persönlichen Seh- und Stimmungserlebnisses und spielt mit den Seherwartungen des Betrachters.

Die Vorlagen bilden jeweils das Rahmenwerk für die Gemälde: So projiziert Sehringer die Motive in dramatisierender Vergrößerung auf Holztafeln, überträgt sie in ihren Konturen und verlebendigt sie auf handwerklich aufwendige Weise.

Dazu verwendet er eine Inkrustationstechnik. Er legt Spuren und Flächen des Bildgrundes frei, füllt diese mit Farbe auf und schleift die gesamte Bildoberfläche anschließend wieder ab. Diese Prozedur des Einlegens und Abschleifens von Farbformen wiederholt er, bis er eine reich differenzierte Fläche erarbeitet hat, die gefärbten Steinschichten gleicht. Parallel dazu ritzt Sehringer Motive in den Bildgrund ein, spritzt pastose Zeichnungen auf oder appliziert kolorierte Schablonen auf den Bildgrund und verleiht den Bildoberflächen damit jeweils plastischen Charakter.

In ihrer Monumentalität sind die Werke oft unüberschaubar und fordern eine intensive Betrachtung ein. Aus der Nähe werden die großformatigen Oberflächen als abstrakte Farbformen wahrgenommen und lassen sich erst aus der Distanz zu Gegenständlichem zusammenfügen.

Sehringer verrätselt das Wissen um Raumbezüge, indem er offene, eigengesetzliche Bildstrukturen schafft: Menschen, Tiere und Blumen fasst er ornamental als Flächeneinheiten auf und bindet sie in rhythmisierte Ordnungen ein. Dabei spielen Figur und Grund stets als gleichwertige Kräfte ineinander und fügen sich zu einer dynamischen Bildoberfläche. Die Identifikation gegenständlicher Formen erschwert der Künstler im Spiel mit optischen Täuschungen und Farbkontrasten, wobei er die Werke zumeist auf einen Grundfarbklang stimmt. Die Ornamentalisierung vermittelt hier zwischen Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit. Figuratives geht zum Teil unmerklich in abstrakte Struktur über. Umgekehrt läßt sich aus scheinbar abstrakten, linearen Strukturbildern erst bei näherer Betrachtung Gegenständliches herauslesen. Doch beim Erwandern der flächenüberziehenden Liniengeflechte verflüchtigt sich stets wieder das Figurative, so daß der Verweis auf Gegenständliches unbestimmt bleibt.

Nicht selten stehen Inhalt und Form in Sehringers Werk in einem zwiespältigen Verhältnis. Beispielsweise im Falle der Darstellung marschierender Soldaten: Trotz der Kriegsthematik in ihrem ästhetischen Wert geschätzt, lösen sie zugleich Schrecken wie Faszination aus. Die Motive erhalten ihre Bedeutung je nachdem wie sie in Erscheinung treten und inszeniert sind. In einer poetischen Bildsprache von Gleichklang und Klarheit befreit er sie von jeglichem narrativen Kontext.

Die Schönheit der Natur vergegenwärtigt Sehringer insbesondere in den Blumenbildern, in denen er die schnell dahinwelkende Pracht der Pflanzen in elementaren Farbvisionen feiert. In ornamentalen Mustern fasst Sehringer die Vielfalt der Erscheinungen zu einer Ordnung zusammen. Sie stellen mehr als ein Spiel mit rein dekorativen Pflanzenformen dar, da sie in ihrem Einfallsreichtum, ihrem Rhythmus und ihrer optischen Ausdehnung eine meditative Erfahrung von Einheit und Harmonie ermöglichen.

Stets verknüpft Sehringer das Naturschöne mit dem Wesen des Sehens, indem er den Betrachter zu einem sehenden Begreifen der in der Natur wirksamen Kräfte anregt.

Die von Mythologie und Musik inspirierten, lautmalerischen Bildtitel erweitern dabei die Assoziationen zu Sehringers Bilderwelten. In einem Zeitalter, in dem Bilder jederzeit leicht und schnell reproduzierbar sind, beweist Sehringer, dass die Malerei ihre Kraft und Gültigkeit behalten hat, indem er anhand vertrauter Motive neue Horizonte der Realitäts- und Seherfahrung eröffnet.

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Kunstgespräch für Frauen
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