Karin Sander

27.04. – 28.07.2002

In Konzeptkunst und Minimal Art zwar verwurzelt, unterwandert Karin Sanders facettenreiches Werk jedoch derartige Klassifizierungen.

Die in Berlin, New York und Stuttgart lebende Künstlerin entwickelt spezifisch ortsbezogene Arbeiten, die immer auf neue Weise den Blick schärfen für die komplexe Beziehung zwischen dem Kunstwerk und seinem »Träger« (sei dies die Wand, der Raum oder die gesamte Institution).

So steht am Anfang ihrer Arbeit grundsätzlich das Beobachten und Analysieren der vorgesehenen Ausstellungssituation mit all ihren ästhetischen, historischen und sozialen Implikationen. Konsequent leitet sie die jeweilige Fragestellung aus den Gegebenheiten des angetroffenen Ortes ab und bestimmt daraufhin erst das Material, das Instrumentarium und die Methode, mit der sie das Werk realisiert. Die Arbeit von Karin Sander macht idealerweise »etwas sichtbar, was schon da ist, sich aber in einem Zustand befindet, der nicht wahrgenommen wird, in einem Zustand der Latenz« (Sander).

Im Wechselausstellungssaal der Staatsgalerie lässt Karin Sander einen Maschinenpark aus Scannern, Computern und Druckern errichten. In dieser »Produktionshalle« hat jeder Besucher die Möglichkeit, für einen Unkostenbeitrag von € 80,- einen Bodyscan der eigenen Person im Maßstab von ca. 1:7 anfertigen zu lassen. Den Titel des Werks - jedes ein Unikat - gibt der Name des Dargestellten vor. Nach Abschluss der Ausstellung wird die Gesamtheit dieser Figuren als geschlossener Werkblock in den Sammlungsbestand der Staatsgalerie übergehen. Jeder Teilnehmer erhält einen von der Künstlerin signierten Ausdruck seiner Figur auf Papier.

Die Stuttgarter Arbeit spielt damit an auf die seit dem Mittelalter bestehende Tradition der »Stifterfiguren« in sakralen Bildwerken und auf die Förderung der jeweils zeitgenössischen Kunst im Mäzenatentum privater Prägung.

All die komplexen technischen Herstellungsprozesse der Figuren macht die Künstlerin in der Ausstellung plastisch nachvollziehbar: Der Besucher kann verfolgen, wie in den Scannern, Rechnern und Druckern der Produktionshalle die Modelle mehrerer bereits »berechneter« Vorgänger Gestalt annehmen.

Info
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