Raffael und die Folgen

Das Kunstwerk in Zeitaltern seiner graphischen Reproduzierbarkeit

26.05. – 22.07.2001

Raffaello Sanzio (1483-1520), bereits kurz nach seinem frühen Tod mit dem Beinamen »divino« (göttlich) verewigt, hat mit seinem Werk Kunst und Leben nachfolgender Jahrhunderte entscheidend geprägt. In der Stuttgarter Ausstellung werden diese Aspekte in drei Schwerpunkten thematisiert:

1. In seinen Zeichnungen der römischen Zeit zeigt sich der Künstler als genialer Erfinder und Lehrer einer großen Anzahl von Schülern, die seine Inventionen vor allem im Spätwerk relativ eigenständig in der Malerei ausführten. In der Ausstellung ist um das als anonym erworbene Stuttgarter Blatt, das nun überzeugend Raffael selbst zugeschrieben werden konnte, eine kleine Gruppe exquisiter Leihgaben vereint.

2. Da Raffael oft Werke an kaum zugänglichen Orten hinterließ (etwa im Vatican), umgab er sich schon zu Lebzeiten mit den besten Graphikern seiner Zeit, die seine Ideen in den Kupferstich umsetzten (»Raffael-Graphik«). Die Folgen dieses geschickt in großem Stil aufgezogenen Unternehmertums sind immens, da jedem Künstler oder Kunstliebhaber die Erfindungen Raffaels leicht zugänglich wurden.

Giulio Sanuto, (tätig 1540–1580), »Apoll und Marsyas«, 1562, Kupferstich und Radierung

Giulio Sanuto
(tätig 1540–1580), »Apoll und Marsyas«, 1562, Kupferstich und Radierung (Detail)

3. Auch nach Raffaels Tod und der Auflösung der Werkstatt stand die graphische Wiedergabe seiner Werke nicht still, im Gegenteil, er wurde in Europa zum meist reproduzierten Künstler bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Raffael war, vermittelt durch die Graphik, prägend wie kein zweiter. Sein Einfluß, Jahrhunderte über seinen Tod hinaus, ist eine der fruchtbarsten Folgen in der Geschichte der Kunst. Die weitgreifende,relativ preiswerte Verfügbarkeit der sogenannten Reproduktionsgraphik, in der Kunst aus Kunst entsteht, womit jedes graphische Blatt seinen Originalcharakter bewahrt, macht sie zu einer zutiefst demokratischen Angelegenheit: Raffael für alle - eine europäische Idee.

Gerade anhand der Reproduktionsgraphik disputierten in der Vergangenheit Liebhaber und Kenner über Kunst; weitaus mehr als das Original wurde sie vom 16. bis 19. Jahrhundert die Grundlage zum Dialog mit dem Werk.

Der zur Ausstellung erscheinende Katalog enthält eine kleine Gruppe ausgewählter Zeichnungen Raffaels (darunter Leihgaben aus großen europäischen Sammlungen), Blätter von Schülern und Werkstattmitarbeitern aus dem eigenen Bestand sowie die komplette Druckgraphik nach Raffael vom 16. bis 19. Jahrhundert in der Graphischen Sammlung.

Ausstellung und Katalog: Dr. Corinna Höper

Zur Ausstellung

»Raffael und die Folgen«

Ausstellungskatalog der Graph. Sammlung, 2001
 

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