Wolfgang Kiwus

»per Vorschrift und per Prozess«

06.07. – 09.09.2001

Wolfgang Kiwus ist Musiker und Künstler und er schreibt Gedichte, Hörspiele und Essays. Er arbeitete in verschiedenen Zeitungs- und Fernsehredaktionen, und er ist Mitherausgeber einer Buchreihe.

Seit Mitte der achtziger Jahre beschäftigt sich Wolfgang Kiwus mit der programmgesteuerten Erzeugung von Bildern, die er seit 1991 ausstellt. Er zählt weltweit zu den wenigen Künstlern die ihre Programme selber schreiben.

Angefangen hat er mit Bildschirmarbeiten, mit der Programmierung von bildererzeugenden Automaten. Seine ersten Papierarbeiten, um 1987, wurden mit einem Nadeldrucker realisiert. Seit 1991 zeichnet er mit einem Stiftplotter.

Das Neue an der Computerkunst ist nach Wolfgang Kiwus nicht das Zeichnen oder Malen, sondern die Art wie das geschieht, daß Bilder mit sprachlichen Mitteln erzeugt werden können, aus einem »Nichts«, als Konkretisierungen bestimmter Ideen. Deshalb sind für ihn nur diejenigen Computerkünstler, die ihre Bilder und Zeichnungen programmieren, also keine Anwender dieser oder jener Software sind, die in einer althergebrachten Art Bilder produzieren, mit der Maus oder einem elektronischen Stift oder Bilder einscannen bzw. mit einer digitalen Kamera arbeiten (»ich sage ja auch nicht, wenn ich einen Text mit einem Textverarbeitungssystem geschrieben habe, daß es sich dabei um Computerliteratur handelt«).

Viele seiner Bilder und Zeichnungen sind aus Zeichen und Zeichenketten entstanden, daraus entwickelt worden, vor allem aus Max Benses 1947 veröffentlichtem Essay »Der Geistige Mensch und die Technik«, in dem Max Bense über die Nöte des geistigen Menschen schreibt, über die Differenz, die zwischen dem platonischen Geist der Freiheit, des Schöpferischen und der perfekten Welt des Laplaceschen Dämons besteht, der im Sinne der Vorausberechnung der Ereignisse die rational zu beherrschen und abzuschließen trachtet, der das stille natürliche Werden durch eine einsame dürre Phantasie des Fortschritts ersetzt.

Bei der Generierung seiner Plotterzeichnungen verändert Wolfgang Kiwus zum Beispiel die Strukturen der darzustellenden Zeichen. Dabei wandeln sich diese zu neuen graphischen Ordnungen. Dadurch ergeben sich dichte graphische Gewebe, die sich in Schichten übereinanderlegen, oder neue Texte, unleserlich zwar, aber mit Qualitäten mittelalterlicher Handschriften, mit feiner Feder geschriebene Bildergeschichten, oder locker sich auflösende und doch die Zeilenstruktur noch haltende Strichzeichnungen, wie mit einer Rohrfeder leicht hingeworfen.

Die Arbeiten von Wolfgang Kiwus haben wenig mit Zufällen zu tun, entstehen sie doch per Vorschrift und per Prozess. Die grundlegenden Algorithmen entwickelte er während der Arbeit mit dem Nadeldrucker. Neben dem Scripturalen spielen auch Ver- und Entschlüsselungen für ihn eine wichtige Rolle. Wolfgang Kiwus zählt, neben Manfred Mohr, zu den konsequentesten Vertretern der programmgesteuerten Kunst.

Heute im Museum
24.11.14

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