In der zweiten Ausstellung in dieser Reihe präsentiert Melvin Moti (*1977, lebt und arbeitet in Rotterdam) Arbeiten aus dem Gemälde-Depot und dem Magazin der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart. Nicht die
Theodor Bohnenberger: »Männliches Porträt«, 1897, und »Mädchenkopf im Profil«, ohne Jahr, Öl auf Leinwand, © Staatsgalerie Stuttgart
In zwei komplementären Räumen spiegelt die Installation unter dem Titel »Die Kunst der Orientierung« Betrachtungen und Assoziationen Motis: Im ersten Raum konzentriert sich die raumgreifende Präsentation auf das Phänomen der Schwerkraft. Im zweiten Raum kreisen die Blicke vor allem zwischen Werken mit nächtlichen, dunklen oder obskuren Szenarien. Moti interessieren solche wirksamen visuellen Anziehungskräfte und Dynamiken, die über Zeiten und Gattungen hinweg von den Werken ausgehen und sie – jenseits einer linear orientierten Kunstgeschichte – zu Protagonisten oder Statisten anderer Geschichten werden lassen.
Im weiteren Sinne bezieht sich Moti in seinem Vorgehen auf den deutschen Kulturwissenschaftler Aby Warburg (1866-1929) und seine Vorstellungen von einem Freiraum visueller und geistiger Entdeckungsreisen, den Warburg als »Denkraum« bezeichnete. So kreisen Motis Filme, Fotografien, Objekte und Bücher immer wieder um die Imagination als Teil der Psyche und der gesellschaftlichen Realität – als produktives Gegengewicht zu Fiktionalisierung und Virtualisierung.
Auch sein Video »The Black Room« (2005), das Moti in diese Auswahl integriert, beharrt auf einem solchen Raum für andere Bilder und ihre Wirklichkeit: Während die Kamera schwarze Flächen erkundet, hört man ein Interview über Schreibexperimente unter
Text: Alice Koegel
Melvin Moti: »The Black Room« (2005), 16 mm-Film übertragen auf DVD, Still, © Melvin Moti
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