Archiv Sohm: Wiener Aktionismus

Im »MANIFEST das lamm« von 1964 bekennt Hermann Nitsch einleitend: »die entwicklung der kunst tendierte dahin, die wirklichkeit als gestaltungsmittel zu benützen«. In seinem Ende der 1950er-Jahre erdachten, mit Musik und Essen verbundenen Fest des »Orgien Mysterien Theaters« wird das reale Lammopfer allerdings mystisch aufgeladen und steht in Verbindung zu Christuskreuzigung und Dionysoskult der Antike, deren existenzielle und ekzessive Momente es verbinden und nacherlebbar machen wollte.

Weniger dem Mythos verpflichtet, führte Otto Mühl in seinen tabubrechenden Aktionen unter Verwendung von Mehl, Eiern, Blut und Exkrementen die »action painting« eines Jackson Pollock mit lebensnahen Materialien weiter.

Bei Günter Brus und Otto Schwarzkogler kommt noch die Verletzung des eigenen Körpers hinzu, indem sie ihn nicht nur bemalen, sondern buchstäblich zum Zerreißen bringen.

Friedensreich Hundertwasser wollte durch »schöpferische Verschimmelung« menschenfeindliche Betonburgen lebenswert machen, Arnulf Rainer selbstauslöschend malen, »um die Malerei zu verlassen«. Der »Wiener Aktionismus«, der als wichtigster Beitrag Österreichs zur zeitgenössischen Kunst gilt, ist einerseits als politische Provokation einer von Katholizismus und faschistischen Nachwehen geprägten Umwelt zu sehen, andererseits - wie letztendlich alle Manifestationen der hier vorgestellten Gegenkultur - als Provokation der internationalen abstrakten Kunst, deren lebensfremde Abgehobenheit angriffslustig konterkariert wurde.

Zu allen oben genannten Künstlern sowie zu der als literarischer Wegbereiter zu sehenden »Wiener Gruppe« (Gerhard Rühm, Friedrich Achleitner, Hans Carl Artmann, Oswald Wiener) und anderen mit den Aktionisten sympathisierenden Österreichern wie Kurt Kren, Valie Export oder Peter Weibel befinden sich umfangreiche Dokumentationen in der Archiv-Sammlung. [ IC ]

Heute im Museum
26.05.16

12:30-13:00 Uhr
Moritz von Schwind: Die drei Einsiedler
Bildbetrachtung

18:00 Uhr
Giorgio de Chirico – Magie der Moderne
Ausstellungsführung

18:30 Uhr
Das Bild im Bild: Die Irritation der Perspektive
Themenführung

18:30 Uhr
Augen.Blicke.Impressionen.
Ausstellungsführung

Info
Geänderte Linienführung der Stadtbahn!

Bitte beachten Sie, dass die Haltestelle »Staatsgalerie« ab Dienstag, dem 17. Mai 2016 nicht mehr von allen U-Bahnlinien bedient wird. Mehr …

Schaufenster Sohm V - Tomas Schmit

2016 jährt sich Tomas Schmits Todestag zum 10. Mal. Das Archiv Sohm würdigt den liebenswürdig-uneitlen ‚Querschläger‘ auf dem Feld der Kunst und ihrer Avantgarde mit einem Querschnitt aus dem Bestand seiner hochoriginellen Werke. Mehr …

Ab März in der Sammlung: Hermann Stenner (1891-1914)

Zum 125. Geburtstag des Künstlers erinnert die Staatsgalerie Stuttgart an den Weggefährten Oskar Schlemmers und Willi Baumeisters mit einer kleinen Werkauswahl aus eigenem Bestand
(Raum 36, Stirlingbau). Mehr …

Wegeführung zur Staatsgalerie

Auf Grund vieler Baustellen im Umkreis der Staatsgalerie, finden Sie hier einen Überblick, wie Sie uns am besten erreichen. Mehr …

Fotografieren in der Staatsgalerie

Was Sie beachten müssen, wenn Sie im Museum fotografieren möchten. Mehr …

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Freier Eintritt....

…in die Sammlung: immer Mittwochs! Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Audio-Guide zur Sammlung …

… auch in Gebärdensprache ist für 5 Euro erhältlich. Die Audio-Führung für Kinder kostet 2,50 Euro. Mehr …

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