Dieter Roth (1930–1998) »Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Werke in 20 Bänden«, 1974, Suhrkamp Taschenbuchausgabe zerkleinert, mit Gewürzen und Schmalz angereichert in Wurstdärmen an Holzgestell, 100 x 85 x 14 cm
Kein anderer Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die eigene Existenz so ausschließlich zu seinem Thema gemacht wie der am 5. Juni 1998 verstorbene Dieter Roth.
Alle verfügbaren Medien werden eingesetzt und miteinander kombiniert, um der Vergänglichkeit und Fülle des Lebens Ausdruck zu verleihen. Sein Werk wird so zu einem überbordenden Universum aus Büchern, Zeichnungen, Druckgraphiken, Fotos, Videos, Bildern und Objekten, die organische Materialien und Alltagsgegenstände wie selbstverständlich miteinbeziehen.
Dass die eigene Realität sich durch die Ordnungssysteme der hohen Kunst ebenso wenig direkt vermittelt wie durch jene der Sprache, wird zu Roths Hauptthema und verbindet ihn mit anderen alternativen Positionen der 1960er und 1970er-Jahre.
Indem der Künstler eine Gesamtausgabe des Systemphilosophen Hegel zerkleinert und mit realen Ingredienzen eines Wurstrezepts anreichert, macht er auf gleichzeitig witzige und provokative Weise deutlich, dass er sich stattdessen eine Mitteilung vorstellen möchte, die durch den Magen geht.
Hanns Sohm war mit Dieter Roth von 1963 bis 1982 befreundet. Im Archiv befinden sich die Bücher des Künstlers sowie frühe Materialbilder und -objekte, Zeichnungen, Grafiken, Schallplatten u.v.m. [ IC ]
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