Archiv Sohm: Fluxus

Als »Zusammentreffen von amerikanischer Stillosigkeit und europäischer Stilverdrossenheit« hat der Künstler Tomas Schmit einmal die in Deutschland eingeleitete Geburt der Fluxusbewegung bezeichnet. Tatsächlich war Fluxus ein Sammelbecken von Avantgardekunst, in dem von Nam June Paik über George Brecht, Addi Köpcke, Emmett Williams, Dick Higgins, Alison Knowles, Yoko Ono, Joe Jones, Ben Vautier, Robert Filliou, Daniel Spoerri, Joseph Beuys oder sogar Per Kirkeby sich nahezu alle Künstler irgendwann einmal tummelten, die »Kunst und Leben« miteinander aussöhnen wollten. Allen Fluxuskünstlern gemeinsam war die Erkenntnis, dass die Zeit der althergebrachten, nach immanenten »Qualitätsmaßstäben« zu messenden Kunst vorbei sei und nun die »Realität« und »Jeder« Zutritt in ihr Reich erhalten sollte.

»Fluxus. Internationale Festspiele Neuester Musik« Wiesbaden 1962

»Fluxus. Internationale Festspiele Neuester Musik« Wiesbaden 1962, Foto: Hartmut Rekort

Erstmals als Begriff tauchte »Fluxus« auf der Ankündigung einer Wiesbadener Konzertreihe auf, die von dem aus den USA eingereisten Litauer George Maciunas im September 1962 organisiert wurde. Die Wurzeln von Fluxus in der zufallsbestimmten und Alltagsgeräusche miteinbeziehenden Musik aus dem Cage-Umkreis wird so bereits durch die Bezeichnung der Fluxusaufführungen als »Konzerte« nahe gelegt. Vor allem durch Filliou, Köpcke und Williams kam auch eine dadaistische, konventionelle Sprachgewohnheiten verulkende Facette hinzu. Typisch für Fluxuskonzerte sind kurze Aktionen, die »einfache« Handlungen wie beispielsweise das Zersägen eines Klaviers oder das tröpfchenweise Füllen eines Eimers mit Wasser vorführen und so im Sinne von Zen die Bedeutsamkeit des Alltäglichen bewusst machen wollen.

Später kamen die von Maciunas edierten und von über fünfzig »Fluxuskünstlern« entworfenen Objektkästchen und -koffer hinzu, deren »Sinn« in ihrer massenhaften Verbreitung und ihrem sinnlosen Gebrauch bestehen sollte.

Während Fluxus für die heutige Kunstszene als bahnbrechender Wegbereiter gilt, interessierte sich in den 1960er-Jahren nahezu niemand für eine Kunst außerhalb von Malerei und Plastik. Der Sammler-Archivar Hanns Sohm war einer der ganz wenigen, der ihre Bedeutung erkannte und so findet sich heute im Stuttgarter Archiv die weltweit umfangreichste Fluxusdokumentation. [ IC ]

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03.09.10

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